
Galerie Sylvia Kovacek
Die Galerie Sylvia Kovacek befindet sich in der Wiener Innenstadt in unmittelbarer Nähe zum Stephansdom. Durch langjähriges Arbeiten am Kunstmarkt im Bereich Gläser und Gemälde haben wir die Kompetenz, für Sie spezielle bzw. lang gesuchte Objekte ausfindig zu machen und stehen Ihnen auch bei der Auswahl der Rahmen, der Hängung der Gemälde oder beim Aufstellen der Kunstobjekte assistierend zur Seite.
Die Galerie liegt in der Innenstadt, in unmittelbarer Nähe zum Stephansdom und zum Dorotheum, und verfügt über 300m² Schauräume auf zwei Etagen. Besuchen Sie uns in der Spiegelgasse und lassen Sie sich zu einer Zeitreise durch verschiedene Epochen der Kunst verführen.
Arnold Clementschitsch
Spanische Hofreitschule, um 1920
Öl auf Leinwand
70 x 100 cm
links unten signiert: Clementschitsch
Die im 16. Jahrhundert gegründete Spanische Hofreitschule in Wien wurde im 19. Jahrhundert unter der Leitung von Maximilian Weyrother, der zunächst als Unterbereiter und anschließend als Oberbereiter in der Reitschule tätig war, und seinem Bruder Gottlieb, zu einem der wichtigsten Orte der mitteleuropäischen Reiterszene. Diese zentrale Rolle hat die Institution bis heute inne. Die Spanische Hofreitschule ist eine der ältesten und renommiertesten Reitschulen der Welt. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich die treue Reiterequipe unter der Führung von Mauritius Herold intensiv und mit Erfolg für den Fortbestand der spanischen Reitschule ein. Bereits eineinhalb Jahre nach Kriegsende fand die erste öffentliche Vorführung statt. Zu dieser Zeit ist auch vorliegendes Gemälde des österreichischen Künstlers Arnold Clementschitsch entstanden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die verbliebenden Lipizzaner zwischen Italien und Österreich aufgeteilt. Bis heute stammen die Pferde als direkte Nachfolgen aus dieser alten kaiserlichen Herde ab. Auf unserem Gemälde können wir drei der beeindruckenden Tiere bestaunen. Zentrales Anliegen von Arnold Clementschitsch war die Darstellung der Bewegung, die er in zahlreichen Straßen- und Pferdebildern, wie vorliegendem, festhielt. Die Szene zeigt einen Moment aus einem Pas de Trois, einer Vorführung von drei Pferden. Die Reiter sind in ihrer traditionellen Empire-Uniform gekleidet. Diese Kleidung soll die Tradition und die Eleganz der Einrichtung betonen. Als Kopfbedeckung tragen die Reiter einen schwarzen Zweispitz, der ein Symbol für die langjährige Geschichte und ihre kaiserliche Historie ist. Der Künstler setzte die Eleganz und Anmut der Pferde gekonnt in Szene. In der Spanischen Hofreitschule werden ausschließlich Lipizzanerhengste ausgebildet. Wir können – auf Grund der Fellfarbe – davon ausgehen, dass wir im Vordergrund einen jüngeren Hengst sehen. Erst im Laufe der ersten Lebensjahre bekommen die dunkelgeborenen Pferde ihre typische weiße Farbe. Der Stil des Künstlers Arnold Clementschitsch wurde in den 1920er Jahren vom deutschen Expressionismus beeinflusst. In dieser Zeit herrscht in seinen Arbeiten auch eine ungewöhnlich intensive, gesteigerte Farbigkeit vor, die auch in vorliegendem Bild erkannt werden kann. Zu dieser Zeit stellte er auch erstmals in der Wiener Sezession aus, weitere Ausstellungen folgten 1925 und 1953 in Wien, 1928 in Barcelona und 1932 in Venedig.
Edward Cucuel
Träumerei, um 1918
Öl auf Leinwand
100,4 x 100,2 cm
Nach seiner Ausbildung an der Kunstakademie in San Francisco ging Edward Cucuel nach Paris, um dort den Malstil der französischen Impressionisten zu studieren. Anschließend verreiste er nach einer kurzen Rückkehr immer wieder, vor allem nach Europa. So wurde er später Mitglied in der Münchner Künstlergruppe "Die Scholle", in der er mit Leo Putz bekannt wurde. Begeistert von dessen Freilichtarbeiten, verband Cucuel eine enge Freundschaft mit Putz, und die beiden Künstler verbrachten die Sommer der Jahre zwischen 1909 und 1914 gemeinsam im Chiemgau, um an den dortigen Seen zu malen.
Dies waren zahlreiche, vielfältige Szenen von jungen Frauen am Wasser oder an der idyllischen Uferlandschaft, die sie unermüdlich in diesen warmen Monaten schufen. Dieser Motivwelt widmete Cucuel sich weiterhin hingebungsvoll, als er sich während des Ersten Weltkrieges am Ammersee und ab dem Jahr 1918 am Starnberger See niederließ, um dort die Pleinairmalerei weiterzuführen.
Aus dieser Zeit stammt wohl auch das nebenstehende reizvolle Gemälde, auf dem sich eine jugendlich wirkende Dame am bewachsenen Seeufer räkelt. Mit angezogenen Beinen streckt sie sich im Mittelgrund sowie über die gesamte Breite des Bildes aus. Den Oberkörper freigelegt, umspielt nur ein leichter, heller Stoff ihre Hüften, während ihre zierlichen, abgewinkelten Beine, in weiße Strümpfe und Stöckelschuhe gehüllt, anmutig wie Schwanenhälse wirken. Leichte Sommerbräune überzieht dagegen ihre Arme und Ihren Hals, an den sie verlegen mit ihrer Linken greift. Sie neigt das liebliche Gesicht mit den geröteten Wangen und dem rötlich-brünetten, in modische Wellen gelegte Haar zum Betrachter, blickt jedoch verträumt ins Leere. Der helle Stoff, auf dem sie sich niedergelassen hat, breitet sich bis in den Bildvordergrund aus und bildet einen lebhaften Kontrast zum dunklen Erdboden.
Im Hintergrund erhebt sich tiefgrüner Bewuchs und ein Baum auf der linken Seite, dessen belaubte Äste tief über die Dargestellte hängen. Hinter den Zweigen kann man das grau-blaue Seewasser erkennen. Generell wählte Cucuel dieser Schaffensphase entsprechend kräftigere Farbtöne, die er mit breitem, raschem Pinselstrich fast skizzenhaft auf die Leinwand brachte. Ganz im Gedanken des Impressionismus geht es Cucuel vor allem um die spezielle Lichtstimmung dieses Momentes, die Reflexionen der Sonnenstrahlen und das Farbenspiel, das daraus entsteht. Es ist ein sanfter, und doch atmosphärisch aufgeladener Eindruck, den er dem Betrachter vermittelt – ein Blick in eine wahrhafte Traumwelt.